
Viola Amherds politische Laufbahn im Bundesrat war von mehreren Rollenwechseln geprägt: von der Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) über das Amt der Bundespräsidentin bis zu ihrem Rücktritt per Ende März 2025. Ihre öffentliche Präsenz lässt sich deshalb sowohl anhand konkreter Regierungsgeschäfte als auch anhand der unterschiedlichen Erwartungen an eine Bundesrätin im sicherheits- und gesellschaftspolitischen Umfeld betrachten.
Politischer Hintergrund und Wahl in den Bundesrat
Viola Amherd wurde 1962 in Brig im Kanton Wallis geboren. Sie ist Juristin und war unter anderem in der Walliser Politik sowie im Nationalrat tätig. Im Dezember 2018 wählte die Vereinigte Bundesversammlung sie in den Bundesrat. Ihr Amtsantritt erfolgte Anfang 2019. Amherd gehörte zunächst der Christlichdemokratischen Volkspartei an, die später in der Partei Die Mitte aufging.
Mit ihrer Wahl übernahm erstmals eine Frau aus dem Kanton Wallis ein Bundesratsmandat. Diese regionale und geschlechterpolitische Dimension prägte die öffentliche Einordnung ihrer Wahl, war aber nicht der einzige Faktor ihrer politischen Rolle. Entscheidend war auch die Erwartung, dass sie als erfahrene Parlamentarierin ein anspruchsvolles Departement führen und innerhalb der Landesregierung konsensorientiert arbeiten würde.
Das VBS als zentraler Verantwortungsbereich
Amherd leitete zunächst das VBS. Damit war sie für Themen zuständig, die regelmässig eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit erhalten: die Schweizer Armee, die Sicherheitspolitik, der Bevölkerungsschutz, der Zivildienst und der Sport. Das Departement ist politisch besonders sensibel, weil finanzielle, sicherheitspolitische und gesellschaftliche Interessen eng miteinander verbunden sind.
Während ihrer Amtszeit standen unter anderem die Weiterentwicklung der Armee, die Beschaffung und Erneuerung von Ausrüstung, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit sowie die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Zentrum der Debatte. Die veränderte europäische Sicherheitslage führte in der Schweiz zu einer intensiveren Diskussion über Verteidigungsfähigkeit, internationale Kooperation und die Rolle der Neutralität. Amherd vertrat dabei die Position, dass die Schweiz ihre Sicherheitsinteressen eigenständig wahren müsse, ohne die Grundsätze der Schweizer Neutralität aufzugeben.
Auch der Bevölkerungsschutz gewann durch verschiedene Krisenlagen an Bedeutung. Fragen zur Versorgungssicherheit, zur Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie zur Vorbereitung auf ausserordentliche Ereignisse gehörten zu den Aufgabenfeldern des Departements. Die öffentliche Beurteilung solcher Arbeit ist allerdings schwierig, weil viele Massnahmen langfristig angelegt sind und ihre Wirkung oft erst unter besonderen Umständen sichtbar wird.
Das Schweizer Kollegialitätsprinzip
Die Arbeit im Bundesrat folgt dem Kollegialitätsprinzip. Dieses verlangt, dass die Mitglieder der Landesregierung wichtige Entscheide gemeinsam beraten und nach aussen grundsätzlich geschlossen vertreten. Das bedeutet nicht, dass innerhalb des Bundesrates keine unterschiedlichen Auffassungen bestehen. Die politische Verantwortung liegt jedoch beim Gesamtgremium und nicht allein bei der jeweils zuständigen Departementsvorsteherin.
Für die Einordnung von Amherds öffentlicher Arbeit ist dieser Grundsatz wesentlich. Stellungnahmen zu Armee, Sicherheit, internationaler Zusammenarbeit oder Bundesfinanzen waren häufig Teil eines gemeinsam verabschiedeten Regierungskurses. Kritik an einzelnen Entscheiden kann deshalb an der Departementsführung ansetzen, muss aber zugleich die Zuständigkeit des Gesamtbundesrates und die Mitwirkung des Parlaments berücksichtigen.
Das Kollegialitätsprinzip beeinflusst auch die Kommunikation. Bundesrätinnen und Bundesräte müssen komplexe Kompromisse verständlich erklären, ohne jede interne Differenz öffentlich auszubreiten. Dadurch kann die politische Entscheidungsfindung nach aussen zurückhaltender erscheinen, als sie in den Beratungen tatsächlich war.
Bundespräsidentin im Jahr 2024
Die Vereinigte Bundesversammlung wählte Amherd für das Jahr 2024 zur Bundespräsidentin. In dieser Funktion leitete sie die Sitzungen des Bundesrates, nahm zusätzliche protokollarische Aufgaben wahr und vertrat die Schweiz bei verschiedenen offiziellen Anlässen. Das Präsidialjahr veränderte ihre institutionelle Stellung nicht: Die Bundespräsidentin ist in der Schweiz keine Regierungschefin mit erweiterten Weisungsbefugnissen, sondern primär die erstgenannte Person innerhalb eines kollegial organisierten Gremiums.
Die Präsidentschaft erhöhte dennoch ihre Sichtbarkeit. Internationale Kontakte, öffentliche Auftritte und die Vermittlung zwischen verschiedenen Landesteilen rückten stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig blieb sie als Vorsteherin des VBS mit innenpolitisch kontroversen Fragen konfrontiert. Die Verbindung von repräsentativen Aufgaben und departementaler Verantwortung machte das Jahr 2024 zu einer besonders beobachteten Phase ihrer Amtszeit.
Medienwahrnehmung und politische Beurteilung
Die Medienberichterstattung über Amherd war von unterschiedlichen Perspektiven geprägt. Positiv hervorgehoben wurden häufig ihre Sachlichkeit, ihre Erfahrung im Parlament und ihre Fähigkeit, in einem politisch breit zusammengesetzten Umfeld vermittelnd aufzutreten. Ihre öffentliche Kommunikation wurde vielfach als nüchtern und institutionell beschrieben.
Gleichzeitig standen die Führung des VBS, Fragen zur Armeeplanung und die sicherheitspolitische Ausrichtung der Schweiz wiederholt im Mittelpunkt kritischer Berichte und parlamentarischer Debatten. Solche Kontroversen sind bei einem Departement mit grossen langfristigen Projekten und hoher politischer Bedeutung nicht ungewöhnlich. Die mediale Bewertung hing dabei auch von der jeweiligen Nachrichtenlage, von parlamentarischen Entscheiden und von internationalen Entwicklungen ab.
Eine ausgewogene Einordnung sollte deshalb zwischen persönlicher Verantwortung, departementalen Abläufen und den Beschlüssen von Bundesrat und Parlament unterscheiden. Medienberichte können wichtige Hinweise auf öffentliche Debatten geben, ersetzen aber nicht die Prüfung von Bundesratsbeschlüssen, parlamentarischen Dokumenten und offiziellen Rechenschaftsberichten.
Rücktritt und Ende der Amtszeit
Im Januar 2025 gab Amherd ihren Rücktritt aus dem Bundesrat auf Ende März desselben Jahres bekannt. Ihr Ausscheiden beendete eine Amtszeit von etwas mehr als sechs Jahren. Die Bundesversammlung wählte im März 2025 Martin Pfister zu ihrem Nachfolger; er übernahm das Amt am 1. April 2025.
Amherds Rücktritt war damit ein institutionell geordneter Übergang und kein Wechsel aufgrund einer Volkswahl. Wie bei jedem Rücktritt aus dem Bundesrat wurden in der öffentlichen Debatte politische Bilanz, persönliche Beweggründe und die Zukunft des betroffenen Departements miteinander verbunden. Eine abschliessende historische Bewertung ihrer Amtszeit bleibt jedoch eine Aufgabe, für die auch spätere Entwicklungen und überprüfbare Ergebnisse berücksichtigt werden müssen.
Einordnung
Viola Amherds öffentliche Präsenz war durch die Verbindung von sicherheitspolitischer Verantwortung, kollegialer Regierungsarbeit und repräsentativen Aufgaben gekennzeichnet. Als Bundesrätin musste sie Interessen aus verschiedenen Regionen und politischen Lagern zusammenführen. Als Bundespräsidentin stand sie stärker im nationalen und internationalen Blickpunkt, ohne dass sich die verfassungsrechtliche Struktur des Bundesrates änderte.
Eine quellenorientierte Betrachtung kommt daher zu keiner einfachen persönlichen Erfolgs- oder Misserfolgserzählung. Amherds Arbeit ist im Zusammenhang mit den Beschlüssen des Gesamtbundesrates, den parlamentarischen Vorgaben, der föderalen Zusammenarbeit und der sicherheitspolitischen Entwicklung in Europa zu beurteilen. Diese Unterscheidung ermöglicht eine sachliche politische Einordnung ohne Spekulation und ohne Wahlempfehlung.
Quellenbasis
- Amtliche Biografie und Präsidialinformationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
- Wahl- und Rücktrittsmitteilungen der Vereinigten Bundesversammlung
- Bundesratsbeschlüsse und parlamentarische Dokumente zu Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik
- Öffentlich dokumentierte Medienberichte und Interviews zur Amtszeit von Viola Amherd
Stand der Einordnung: 7. August 2026. Politische Ämter, Zuständigkeiten und Bewertungen beziehen sich auf öffentlich dokumentierte Informationen bis zu diesem Datum.